Gelenke · Halswirbelsäule
Schleudertrauma
Nach einem Auffahrunfall wird der Kopf ruckartig beschleunigt. Die Beschwerden beginnen meist erst Stunden später.
Was dahintersteckt
Beim Aufprall von hinten wird der Rumpf nach vorn gerissen, während der Kopf einen Augenblick zurückbleibt und dann nachschnellt. Muskeln, Gelenkkapseln und Bänder im Nacken werden dabei überdehnt. Kennzeichnend ist, dass die Beschwerden nicht sofort auftreten, sondern nach Stunden bis zwei Tagen, wenn die Reaktion des Gewebes einsetzt. Die meisten Verläufe heilen innerhalb weniger Wochen folgenlos aus. Wichtig ist der frühe Ausschluss knöcherner Verletzungen und danach die rasche Rückkehr zur Bewegung.
Woran Sie es merken
- Ein Auffahrunfall oder vergleichbares Ereignis
- Nackenschmerz und Steifigkeit, beginnend Stunden bis zwei Tage später
- Kopfschmerz vom Nacken her
- Manchmal Schwindel, Ohrgeräusch oder Konzentrationsstörungen
- Keine Lähmung, kein Kribbeln in beiden Armen
Wie wir es feststellen
Zuerst wird nach klaren Regeln geprüft, ob ein Röntgenbild nötig ist; dafür gibt es anerkannte Kriterien wie Alter, Unfallhergang, Druckschmerz an bestimmten Stellen und die Fähigkeit, den Kopf zu drehen. Bei Verdacht auf einen Bruch oder bei neurologischen Zeichen folgt eine Schnittbildgebung. Ist beides unauffällig, sind weitere Bilder nicht hilfreich.
Womit es verwechselt wird
Brüche der oberen Halswirbel, ein Bandscheibenvorfall, Verletzungen der Bänder im Bereich des ersten und zweiten Halswirbels und, selten, ein Einriss einer Halsschlagader.
Was ohne Operation hilft
Der wichtigste Satz lautet: in Bewegung bleiben. Eine Halskrause wird nicht mehr empfohlen, weil sie die Erholung verzögert. Schmerzmittel für die ersten Tage, Wärme, danach Übungsbehandlung. Aufklärung über den gutartigen Verlauf gehört zur Behandlung und verbessert das Ergebnis nachweislich.
Wann eine Operation im Raum steht
Nur bei knöchernen oder Bandverletzungen mit Instabilität, die dann gesondert behandelt werden.
Sofort in die Notaufnahme bei starkem Nackenschmerz mit Bewegungsunfähigkeit, bei Kribbeln oder Schwäche in Armen oder Beinen, bei Bewusstseinsstörung, heftigem Kopfschmerz oder Sehstörungen.
Fachlich heisst dieses Beschwerdebild HWS-Distorsion, andere Bezeichnungen sind HWS-Distorsion, Whiplash, Nackenschmerz nach Auffahrunfall, Peitschenschlagverletzung.
Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie, Ärztlicher Leiter des Maybach Medical MVZ Orthopädie. Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 27.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.