Ratgeber · Kapitel 18 von 37
Arthrose der Großzehe
Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.
Die klassische Arthrose der Großzehe ist der Hallux rigidus, der durch Schmerz und Bewegungseinschränkung auffällt. Davon zu trennen ist der Hallux valgus, der Großzehenballen, der bei langer Fehlstellung ebenfalls den Knorpel schädigt.
Beim Hallux rigidus behandeln wir zuerst konservativ mit Einlagen und Physiotherapie. Erst wenn das versagt und die Schmerzen den Alltag beeinträchtigen, kommt eine Operation infrage, je nach Befund die Abtragung, die Teilentfernung, die Versteifung oder ein Kunstgelenk. Beim Hallux valgus richtet sich die Entscheidung nach den Beschwerden, nicht nach dem Grad der Fehlstellung allein. Erst wenn Einlagen, passendes Schuhwerk und Physiotherapie nicht genügen und die Beschwerden den Alltag einschränken, wird eine Korrektur erwogen, geplant anhand einer Röntgenaufnahme im Stand. Warum die Großzehe so wichtig ist
Bei jedem Schritt rollt der Fuß über die Großzehe ab. Ihr Grundgelenk muss sich dafür weit strecken lassen, und es trägt in diesem Moment einen großen Teil der Last. Wird das Gelenk steif, weicht der Fuß aus: Man rollt über die Außenkante ab, das Gangbild verändert sich, und die Kette darüber, Knie, Hüfte und Rücken, bekommt die Fehlbelastung zu spüren. Deshalb lohnt es sich, die Großzehe ernst zu nehmen. Oft hilft schon eine steife Einlage mit einer kleinen Abrollhilfe, die dem Gelenk die schmerzhafte Streckung abnimmt, dazu weite Schuhe mit fester Sohle. Röntgenbilder: Hallux valgus (links) und Hallux rigidus (rechts).
Zwei Aufnahmen des Vorfußes von oben: links weicht die Großzehe nach außen ab und der Ballen steht vor, rechts steht sie gerade, das Grundgelenk ist verschmälert und trägt Anbauten. Zur Anatomie: Das Großzehengrundgelenk ist klein, trägt aber Großes. Bei jedem Schritt rollt der ganze Körper über dieses Gelenk ab, beim Zehenstand lastet ein Mehrfaches des Körpergewichts darauf. Zwei kleine Knochen unter dem Gelenk, die Sesambeine, wirken wie Umlenkrollen für die Beugesehne. Wird das Gelenk steif, verändert sich der ganze Gang, und die Nachbargelenke bis hinauf zum Knie übernehmen Arbeit, für die sie nicht gebaut sind.
Aus der Sprechstunde: Die Wanderin und der steife Zeh. Eine Ruheständlerin, 68 Jahre, liebte lange Bergtouren. Seit zwei Jahren schmerzte die rechte Großzehe beim Abrollen, bergauf ging kaum noch etwas. Sie fürchtete das Ende ihrer Touren. Das Röntgenbild zeigte einen Hallux rigidus mit knöchernen Anbauten auf dem Gelenkrücken, die das Abrollen blockierten. Wir begannen konservativ: eine steife Einlage mit Abrollhilfe, die das Gelenk beim Gehen ruhigstellt, dazu Bewegungsübungen. Damit kam sie zwei Sommer gut zurecht. Als die Schmerzen wiederkehrten, trugen wir die störenden Anbauten operativ ab. Der Eingriff ist klein, das Gelenk bleibt erhalten. Ein halbes Jahr später stand sie wieder auf dem Gipfel, mit gutem Schuhwerk und der Einlage im Wanderschuh.
Was Sie selbst tun können. Prüfen Sie Ihre Schuhe. Eine breite Zehenbox, eine feste Sohle und bei Bedarf eine Abrollhilfe nehmen dem Gelenk die schmerzhafte Endstreckung ab. Bewegen Sie die Zehe täglich mit der Hand durch, das erhält die Restbeweglichkeit. Und nehmen Sie eine beginnende Fehlstellung ernst, solange sie sich noch korrigieren lässt. KAPITEL 18
Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.
