Dr. med. Christian MauchArthrosezentrum · Maybach Klinik

Ratgeber · Kapitel 21 von 37

Arthrose der Wirbelsäule

Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.

Spricht man von einer Abnutzung der Wirbelsäule, ist meist die Arthrose der kleinen Zwischenwirbelgelenke gemeint, der Gelenkfacetten. Die Bandscheibe ist kein Gelenkknorpel. Sie besteht aus einem festen Faserring, einem gallertigen Kern und knorpeligen Deckplatten zu den Wirbeln hin. Wenn sie an Höhe verliert, geraten die angrenzenden Gelenke unter erhöhten Druck. Solche Veränderungen können zu Kreuzschmerzen beitragen. Beweisen lässt sich der Zusammenhang im Einzelfall aber nicht, denn dieselben Befunde finden sich auch bei Menschen ohne Beschwerden. Mit einem Bandscheibenvorfall hat dieser Schmerz jedenfalls nichts zu tun. So ist die Wirbelsäule gebaut

Die Wirbelsäule ist ein Turm aus 24 beweglichen Wirbeln. Zwischen ihnen liegen die Bandscheiben, Wasserkissen mit einem festen Faserring und einem gallertigen Kern, die Stöße schlucken. Hinten verbindet jedes Wirbelpaar zusätzlich zwei kleine echte Gelenke, die Facetten. Sie führen die Bewegung wie Schienen und sind mit Knorpel überzogen, und genau dort findet die Arthrose der Wirbelsäule statt. Ein Detail zeigt, wie lebendig dieses System ist: Abends sind wir bis zu zwei Zentimeter kleiner als morgens, weil die Bandscheiben tagsüber Wasser abgeben und es nachts wieder aufnehmen. Auch die Bandscheibe lebt vom Wechsel aus Be- und Entlastung, wie der Knorpel.

Ein Wort zur Sicherheit: Der gewöhnliche Kreuzschmerz ohne Warnzeichen ist lästig, aber in der Regel gutartig, und er bessert sich meist von selbst. Ein Arztbesuch ohne Aufschub gehört dazu, wenn Warnzeichen auftreten, also eine Lähmung oder ein tauber Bereich am Bein, Störungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Fieber mit Rückenschmerz oder ein Schmerz nach einem Sturz. Diese Zeichen sind selten, aber sie gehören sofort abgeklärt. Röntgenbilder der Wirbelsäule: gesund (links) und verschlissen (rechts). Zwei Seitaufnahmen der Lendenwirbelsäule. Links gleichmäßig hohe Zwischenräume zwischen den Wirbeln. Rechts sind die Zwischenräume abgeflacht und die Wirbelkanten nach vorn ausgezogen.

Zur Anatomie: Die Wirbelsäule ist kein starrer Stab, sondern eine Kette aus 24 freien Wirbeln. Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben als Wasserkissen, hinten verbinden die kleinen Facettengelenke jeden Wirbel mit dem nächsten. Diese Gelenke sind kaum größer als ein Fingergelenk und tragen doch bei jeder Drehung und Streckung mit. Verliert die Bandscheibe an Höhe, rücken die Facettengelenke enger zusammen und geraten unter Druck, den sie nicht gewohnt sind. Zu diesen Gelenken passt ein tiefer, dumpfer Kreuzschmerz, der beim Aufrichten aus der Beugung sticht. Welche Struktur den Schmerz tatsächlich auslöst, lässt sich meist nicht sicher bestimmen.

Aus der Sprechstunde: Der Schreiner mit dem Hexenschuss. Ein Schreinermeister, 56 Jahre, kam gebeugt in die Sprechstunde. Dreimal in einem Jahr hatte es ihm in den Rücken geschossen, zuletzt beim Aufrichten über der Hobelbank. Er fürchtete einen Bandscheibenvorfall und die Operation. Die Untersuchung zeigte etwas anderes: keine Ausstrahlung ins Bein, keine Lähmung, kein Gefühlsverlust, aber einen klaren Druckschmerz über den kleinen Wirbelgelenken und eine schwache Rumpfmuskulatur bei kräftigen Armen. Das Bild zeigte einen Verschleiß der Facettengelenke bei erniedrigten Bandscheiben, ein Vorfall lag nicht vor. Beweisen lässt sich damit nicht, welche Struktur den Schmerz auslöst, denn solche Befunde finden sich auch bei Beschwerdefreien. Sie passten aber zum Beschwerdebild. Also kein Fall für den Operationssaal. Er bekam eine haltungskorrigierende Krankengymnastik, lernte das Heben aus den Beinen neu und baute in einem halben Jahr eine Rumpfmuskulatur auf, die er seit der Lehre nicht mehr gehabt hatte. Der vierte Hexenschuss blieb aus.

Was Sie selbst tun können. Ihr Rücken lebt von der Rumpfmuskulatur. Zwei kurze Einheiten pro Woche für Bauch und Rückenstrecker verändern mehr als jede Matratze. Wechseln Sie beim Arbeiten die Haltung, richten Sie sich beim Heben über die Beine auf. Rasch abklären lassen sollten Sie neue oder zunehmende Lähmungen, Taubheit im Schritt, Störungen von Blase oder Darm, Fieber mit starkem Krankheitsgefühl und Rückenschmerz nach einem schweren Sturz. Ein Schmerz, der ins Bein ausstrahlt, gehört ärztlich beurteilt, ist für sich allein aber kein Notfall.

Ein Wort zum Röntgenbild, das viele überrascht. Beim gewöhnlichen Kreuzschmerz ohne Warnzeichen ist eine Bildgebung zunächst nicht nötig, und wiederholte Aufnahmen bei unverändertem Beschwerdebild sind ausdrücklich nicht empfohlen. Die Aussichten sind auch ohne Bild gut. Bettruhe schadet mehr, als sie nützt. Was hilft, ist Bewegung, und zwar von Anfang an. Eine haltungskorrigierende und muskelaufbauende Physiotherapie kann die Schonhaltung lösen und die bedrohten Bereiche entlasten. Die weitergehenden Probleme und Operationen an der Wirbelsäule gehören in ein eigenes Buch. Warum ich Ihren Rücken oft nicht röntge

Viele Patienten sind enttäuscht, wenn ich beim ersten Kreuzschmerz kein Bild mache. Dahinter steht keine Sparsamkeit, sondern die Nationale VersorgungsLeitlinie. Bei Kreuzschmerz ohne Warnzeichen ist eine Röntgenaufnahme nicht nötig, und eine wiederholte Bildgebung bei unverändertem Beschwerdebild wird ausdrücklich abgeraten. Der Grund ist einfach: Fast jeder Erwachsene über fünfzig hat Verschleiß auf dem Bild, und dieser Verschleiß erklärt den Schmerz meist nicht. Wer den Befund trotzdem vor Augen hat, macht sich Sorgen, schont sich und wird steifer. Das verschlimmert die Lage.

Anders liegt der Fall bei Warnzeichen. Rasch untersucht und meist auch gebildgebt wird, wenn eine neue oder zunehmende Lähmung besteht, Taubheit im Schritt, Störungen von Blase oder Darm, Fieber mit starkem Krankheitsgefühl, ein ungewollter Gewichtsverlust ohne Erklärung oder ein Sturz, der zu den Beschwerden passt, besonders bei bekannter Osteoporose. Diese Liste sollten Sie kennen, dann wissen Sie, wann Abwarten falsch wäre. Merke: Ein Rückenbild beweist Verschleiß, nicht die Schmerzursache. Bewegung hilft dem Kreuz mehr als jede Aufnahme.

Für den Alltag gilt an der Wirbelsäule dieselbe Logik wie überall: Die Facetten mögen Wechsel. Langes Stehen staucht sie, langes Sitzen lässt die Muskeln erschlaffen. Beim Stehen stellen Sie einen Fuß erhöht ab und wechseln. Im Sitzen stehen Sie jede halbe Stunde auf. Beim Heben geht die Last aus den Beinen nach oben, nicht aus dem gebeugten Rücken, und nah am Körper. Das klingt banal, aber es sind diese tausend kleinen Entscheidungen am Tag, die über den Abend entscheiden. Ihr Übungsprogramm für zu Hause

Für den Rücken gibt es zwei Blätter, eines für die Lendenwirbelsäule und eines für den Nacken. Beide folgen demselben Muster: vier Übungen zu je einer Minute, drei Durchgänge. Die Übungen sind in Schwierigkeitsgraden aufgebaut, beginnen Sie mit Grad eins und einem Durchgang. Übungsblatt: 12-Minuten-Programm Stabilität Wirbelsäule. Übungsblatt: 12-Minuten-Programm Stabilität Halswirbelsäule. KAPITEL 21

Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.