Dr. med. Christian MauchArthrosezentrum · Maybach Klinik

Ratgeber · Kapitel 20 von 37

Arthrose im Hüftgelenk

Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.

Die Hüfte ist ein Kugelgelenk mit straffer Führung. Meist wirken mehrere Ursachen zusammen: die Anlage in der Familie, das Alter, das Körpergewicht, die Belastung im Beruf und im Sport sowie kleine Formabweichungen des Gelenks, die lange unbemerkt bleiben. Auch eine Hüftreifungsstörung aus der Kindheit, eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes oder ein Unfall können den Knorpel zerstören.

Die Gelenkspiegelung der Hüfte hat heute einen festen Platz bei bestimmten mechanischen Problemen wie einem Einklemmen oder einem Einriss der Gelenklippe. Bei der fortgeschrittenen Arthrose dagegen hilft sie nicht. Ist das Gelenk aufgebraucht und haben Bewegung, Muskelaufbau und die konservative Behandlung versagt, ist der Gelenkersatz die zuverlässige Lösung.

Wann genau dieser Punkt erreicht ist, ist heute geregelt. Es gibt eine eigene Leitlinie, die festlegt, wann ein künstliches Hüftgelenk angezeigt ist. Sie verlangt dreierlei: einen fortgeschrittenen Verschleiß im Bild, einen echten Leidensdruck mit Schmerz und eingeschränkter Gehstrecke, und eine konservative Behandlung, die über Monate ernsthaft versucht wurde. Erst wenn alle drei zusammenkommen, ist die Operation begründet. Bewegungstherapie ist dabei das Kernstück der konservativen Behandlung, Bewegungsbad und Gehstock ergänzen sie wirksam.

Ich sage das so deutlich, weil es Sie schützt. Wenn Sie diese drei Bedingungen kennen, können Sie bei jeder Empfehlung nachfragen, welche davon erfüllt ist. Und wer sie noch nicht erfüllt, hat gute Gründe zu warten. So ist die Hüfte gebaut, und wo sie schmerzt

Die Hüfte ist das tiefste Gelenk des Körpers. Die Kugel des Oberschenkels steckt zu zwei Dritteln in ihrer Pfanne, umschlossen von einer Dichtlippe aus Faserknorpel und von den kräftigsten Muskeln, die wir haben. Diese Tiefe macht die Hüfte stabil, aber auch verschwiegen: Ihr Schmerz zeigt sich selten dort, wo man ihn erwartet. Die Hüftarthrose meldet sich typischerweise in der Leiste, oft zieht sie an der Oberschenkelvorderseite hinab bis zum Knie. Ein Schmerz außen an der Hüfte, dort, wo man nachts drauf liegt, kommt dagegen meist von den Sehnenansätzen und nicht vom Gelenk. Ein frühes Zeichen der Hüftarthrose ist etwas ganz Alltägliches: Socken und Schuhe anziehen wird mühsam, weil die Drehung im Gelenk verloren geht.

Aus der Sprechstunde: Die Lehrerin, die ihr Fahrrad zurückbekam. Eine Lehrerin, 63 Jahre, klagte über Leistenschmerzen beim ersten Schritt und eine wachsende Steifigkeit. Das Schuhebinden ging nur noch mit Tricks, das geliebte Radfahren hatte sie aufgegeben, weil das Bein nicht mehr über den Sattel schwang. Die Aufnahmen zeigten eine fortgeschrittene Hüftarthrose mit aufgebrauchtem Gelenkspalt. Wir versuchten ein halbes Jahr den konservativen Weg mit Training und, bei starker Reizung, einer Kortisoninjektion. Die Beweglichkeit besserte sich kaum, die Nächte wurden schlechter. Nun war die Operation der richtige Schritt. Sie erhielt ein zementfreies Hüftgelenk über einen muskelschonenden Zugang, stand am Tag nach der Operation auf und ging nach der Rehabilitation ohne Stock. Im Sommer darauf fuhr sie wieder zur Schule mit dem Rad. Ihr Satz beim Kontrolltermin: Ich hätte es kein Jahr früher gewollt, aber auch kein Jahr später.

Was Sie selbst tun können. Halten Sie die Hüfte beweglich, solange sie es ist. Tägliches Dehnen der Hüftbeuger, Radfahren, Schwimmen mit Kraulbeinschlag. Meiden Sie langes Sitzen in tiefen Sesseln, es verkürzt die Muskulatur vorn. Und wenn das Sockenanziehen zur Turnübung wird, ist das kein Alter, sondern ein Befund, der in die Sprechstunde gehört. Wann eine Hüftprothese infrage kommt

Für die Hüftprothese gibt es seit einigen Jahren klare Kriterien, und ich halte das für einen Fortschritt. Drei Dinge müssen zusammenkommen: ein im Röntgenbild deutlich fortgeschrittener Verschleiß, ein Leidensdruck, der Ihren Alltag bestimmt, und eine konservative Behandlung, die über Monate ernsthaft versucht wurde. Fehlt eines davon, wird nicht operiert. Und wir entscheiden gemeinsam, nicht ich allein. Das ist keine Höflichkeit, sondern gute Medizin: Niemand außer Ihnen kann beurteilen, wie sehr die Hüfte Ihr Leben einschränkt. Arthrotische Hüfte, rechts mit Prothese versorgt.

Beckenübersicht im Röntgenbild. Links ein verschmälerter Gelenkspalt mit unregelmäßiger Kontur, rechts eine helle Prothese mit Pfanne und Schaft im Oberschenkelknochen. Was der Hüfte ohne Operation hilft

Die Hüfte liebt den runden Tritt. Radfahren und Aquajogging halten sie beweglich, ohne sie zu stauchen. Dazu gehören zwei Dehnungen in den Alltag: die Hüftbeuger, die vom vielen Sitzen verkürzen und das Becken in eine ungünstige Kippung ziehen, und die Gesäßmuskulatur, die als stärkster Schutz des Gelenks kräftig bleiben muss. Die Brücke und die Standwaage aus dem Übungsteil sind für die Hüfte gemacht. Und ein einfacher Trick für unterwegs: Ein Stock in der Hand der Gegenseite nimmt der schmerzenden Hüfte einen erstaunlich großen Teil der Last ab. Ihr Übungsprogramm für zu Hause

Auch für die Hüfte gibt es ein Programm nach demselben Muster: vier Übungen zu je einer Minute, drei Durchgänge. Die Übungen zielen auf die Muskeln, die den Hüftkopf in der Pfanne zentrieren. Drei Durchgänge am Stück sind das Ziel, nicht der Anfang. Übungsblatt: 12-Minuten-Programm Stabilität Hüfte. KAPITEL 20

Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.