Ratgeber · Kapitel 19 von 37
Arthrose im Kniegelenk
Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.
Das Knie trägt uns durch den Alltag und ist ein empfindliches Gelenk. Es ist ein Scharniergelenk mit einer kleinen Drehbewegung, geformt durch die Kufen des Oberschenkels, die Gleitlager des Schienbeins und die Führung der Kniescheibe. Zwischen Ober- und Unterschenkel liegen Innen- und Außenmeniskus, Stabilität geben die Seiten- und die Kreuzbänder. Aufbau des Kniegelenks (links) und Beinachse mit O- und X-Bein (rechts). Links eine Zeichnung des Knies von vorne mit Kniescheibe, blau markierten Menisken und den Bändern. Rechts zwei Fotos von Beinpaaren im Stand: beim O-Bein weichen die Knie nach außen, beim X-Bein berühren sie sich, während die Knöchel auseinanderstehen. Was die Beschwerden verursacht
Bevor wir behandeln, klären wir, was zu den Beschwerden beiträgt: der Arthrosegrad, eine Entzündung, eine Fehlstellung der Beinachse, eine Instabilität, fehlende Muskelkraft, die Belastung im Alltag und Begleiterkrankungen. Ein struktureller Befund allein begründet keine Operation. Eine Gelenkspiegelung mit Spülung oder Glättung wird bei reiner Kniearthrose nicht empfohlen. Sie kommt nur in besonderen Situationen infrage: bei einer akuten echten Blockade, einem freien Gelenkkörper, nach einer Verletzung oder bei einem Meniskusschaden, der sich den Beschwerden klar zuordnen lässt. Der konservative Weg
Bei der Überlastung steht die Bewegung an erster Stelle, gegen geringen Widerstand und ohne Spitzenbelastung. Wichtig sind Muskelaufbau, Gewicht und ein gezieltes funktionelles Training. Der Leitgedanke dahinter: Den Körper in die Lage versetzen, mit seinen Defiziten umzugehen. Grundlage ist die Analyse der Bewegungsabläufe. Schmerzmittel und Spritzen sind eine kurzfristige Unterstützung, kein Dauerzustand. Wann eine Operation, und welche
Eine Gelenkspiegelung allein wegen der Arthrose bringt nichts. Sinnvoll ist sie nur bei einer mechanischen Ursache. Ist die Mechanik gestört, behandeln wir sie gezielt: Meniskus, Kreuzband oder die Beinachse. Eine Umstellung der Beinachse kommt infrage, solange die Arthrose noch nicht weit fortgeschritten ist. Ist der Knorpel weitgehend aufgebraucht und hilft die Behandlung ohne Operation nicht mehr, bleibt der Gelenkersatz. Er ist ein gut planbarer Schritt, als Teilersatz oder als Ersatz der ganzen Oberfläche. Kniearthrose im Röntgenbild. Zwei Aufnahmen desselben Knies. Von vorne ist der Gelenkspalt innen aufgebraucht, von der Seite zeigen sich Anbauten an Kniescheibe und Gelenkrand. Die Kniescheibe, das dritte Gelenk
Das Knie besteht genau genommen aus zwei Gelenken. Neben dem großen Gelenk zwischen Ober- und Unterschenkel gibt es das Gleitlager der Kniescheibe. Die Kniescheibe läuft in einer Rinne des Oberschenkels wie ein Zug auf seiner Schiene und wird dabei mit großer Kraft angepresst, beim Treppabgehen und beim Aufstehen aus der Hocke am stärksten. Deshalb schmerzt eine Arthrose hinter der Kniescheibe typischerweise beim Bergabgehen und Treppensteigen, während das Gehen in der Ebene lange gut geht. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn sie verändert die Behandlung: Für das Kniescheibengelenk belasten tiefe Hocke und Beinpresse mit großer Beugung die Kniescheibe besonders stark, Radfahren mit hohem Sattel dagegen wenig.
Aus der Sprechstunde: Der Skifahrer mit dem O-Bein. Ein Unternehmer, 57 Jahre, kam im Herbst mit der Frage, ob er noch Ski fahren dürfe. Sein rechtes Knie schwoll nach jedem Skitag, innen schmerzte es beim Treppabgehen. Die Belastungsaufnahme zeigte ein O-Bein und einen Verschleiß der Innenseite, die Kernspintomographie einen mürben, aber nicht eingeklemmten Innenmeniskus. Keine Blockade, keine Instabilität, also kein Fall für die Gelenkspiegelung. Stattdessen: Muskelaufbau nach Bewegungsanalyse, eine Außenranderhöhung am Schuh, fünf Kilo weniger bis zum Winter und klare Pistenregeln. Er fuhr im Februar eine Woche Ski, mit dicken Oberschenkeln und ohne dickes Knie. Die Umstellung der Beinachse haben wir besprochen und aufgeschoben. Sie bleibt seine Option, wenn die Innenseite weiter nachgibt, und sie ist besser vorbereitet, wenn die Muskulatur schon da ist.
Was Sie selbst tun können. Bauen Sie den Oberschenkelmuskel auf, er ist der Stoßdämpfer vor dem Stoßdämpfer. Rad und Crosstrainer statt Treppe und Bergablaufen. Bei akuter Schwellung gilt: hochlagern, kühlen, das Gelenk nicht erzwingen, und wenn die Schwellung bleibt oder das Knie blockiert, in die Sprechstunde kommen. Ihr Übungsprogramm für zu Hause Für das Knie gibt es ein eigenes Programm. Vier Übungen zu je einer Minute bilden einen Durchgang, drei Durchgänge ergeben die zwölf Minuten. Beginnen Sie mit der leichtesten Ausgangsstellung und mit einem Durchgang. Steigern Sie erst die Zahl der Durchgänge, dann die Schwierigkeit. Übungsblatt: 12-Minuten-Programm Stabilität Knie. KAPITEL 19
Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.
