Ratgeber · Kapitel 17 von 37
Arthrose im Sprunggelenk
Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.
Das obere Sprunggelenk ist ein Scharniergelenk und wird von Bändern und Sehnen gesichert. Seine Arthrose ist häufig die Spätfolge verletzter Außenbänder. Bleibt das Gelenk nach einem Bänderriss instabil, knickt man immer wieder um, und der Knorpel nimmt Schaden. Das obere Sprunggelenk mit seinen Außenbändern. Zeichnung des Fußskeletts von außen. Drei rot markierte Bänder verbinden das Wadenbein mit Sprung- und Fersenbein, eine grün gestrichelte Linie zeigt die Gelenkachse.
Zur Anatomie: Das obere Sprunggelenk verbindet Schienbein und Wadenbein mit dem Sprungbein, wie eine Zange, die einen Würfel umfasst. Es erlaubt das Heben und Senken des Fußes. Drei Außenbänder und ein flächiges Innenband halten die Zange zusammen, dazu sichern die großen Sehnen von Wade und Schienbein das Gelenk. Diese Bauweise trägt ein Vielfaches des Körpergewichts, ist aber auf intakte Bänder angewiesen.
Aus der Sprechstunde: Die Frau, die immer wieder umknickte. Eine Erzieherin, 46 Jahre, knickte seit einem Volleyballunfall vor 15 Jahren immer wieder mit dem rechten Fuß um, zuletzt auf ebenem Boden. Nun schmerzte und schwoll das Sprunggelenk nach jedem längeren Spaziergang. Die Untersuchung zeigte ein deutlich instabiles Außenband, die Kernspintomographie einen umschriebenen Knorpelschaden am Sprungbein. Hier lag eine mechanische Störung vor: Ohne stabile Bänder würde jeder weitere Fehltritt den Knorpel weiter abreiben. Wir stellten die Außenbänder operativ wieder her und glätteten den Knorpelschaden in derselben Narkose. Nach der Ruhigstellung folgten Koordinationstraining auf dem Wackelbrett und Kräftigung der Unterschenkelmuskulatur. Ein Jahr später knickte sie seltener um, zweimal war es im letzten halben Jahr trotzdem passiert. Die Wanderungen gingen wieder, die Sprünge beim Volleyball hat sie aufgegeben. Der Knorpelschaden ist geblieben. Die Stabilisierung nimmt ihm aber die ständige Fehlbelastung, und wie es weitergeht, zeigt erst die Zeit.
Was Sie selbst tun können. Trainieren Sie Ihr Gleichgewicht. Einbeinstand beim Zähneputzen, barfuß auf unebenem Boden gehen, ein Balancekissen im Wohnzimmer. Ein sicheres Sprunggelenk ist ein trainiertes Sprunggelenk. Wenn nach dem Umknicken das Auftreten kaum möglich ist, der Fuß stark schwillt oder sich verformt zeigt, gehört er zügig untersucht, denn schlecht verheilte Bänder sind der häufigste Anfang dieser Arthrose. So ist das Sprunggelenk gebaut
Stellen Sie sich eine Zange vor: Schienbein und Wadenbein bilden eine Gabel, in der das Sprungbein sitzt und wie ein Scharnier kippt. Diese Gabel trägt bei jedem Schritt das ganze Körpergewicht auf wenigen Quadratzentimetern, beim Laufen ein Mehrfaches davon. Dass sie das aushält, verdankt sie den Bändern an der Außen- und Innenseite und drei kräftigen Sehnenzügen, die das Gelenk wie Spannseile sichern. Reißt eines dieser Seile und heilt schief, gerät die ganze Konstruktion ins Wackeln.
Ist das Gelenk instabil, wird zuerst konservativ stabilisiert, mit Koordinationstraining, Kräftigung und bei Bedarf einer Orthese. Bleibt die Instabilität und knickt der Fuß weiter weg, kommt die operative Bandrekonstruktion infrage. Zeigt sich bereits ein Knorpelschaden, kann eine Gelenkspiegelung mit Glättung und dem Lösen von Verwachsungen die Beschwerden bessern. Auch hier gilt: Die Spiegelung hilft über die mechanische Ursache, nicht über den Verschleiß allein.
Für den Alltag ist das Schuhwerk die halbe Behandlung: fester Halt um die Ferse, eine dämpfende Sohle, bei Instabilität ein höherer Schaft. Auf unebenem Boden, beim Wandern und auf der Baustelle gilt das doppelt. Und wer schon einmal ernsthaft umgeknickt ist, sollte das Gleichgewicht trainieren, jeden Tag eine Minute Einbeinstand beim Zähneputzen. Es ist die billigste und eine der wirksamsten Versicherungen für dieses Gelenk. Ihr Übungsprogramm für zu Hause
Auf der folgenden Seite finden Sie ein Übungsblatt aus der physiotherapeutischen Praxis. Alle diese Blätter folgen demselben Muster: Vier Übungen zu je einer Minute bilden einen Durchgang von vier Minuten. Drei Durchgänge ergeben die zwölf Minuten, die dem Programm seinen Namen geben. Am Anfang genügt ein Durchgang, das Tempo bestimmen Sie. Wo eine Übung für beide Seiten gedacht ist, steht das auf dem Blatt. Ob Sie die Durchgänge ohne Pause aneinanderhängen oder kurz durchatmen, klären Sie mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten; am Anfang ist eine kurze Pause zwischen den Durchgängen sinnvoll. Und wenn eine Ausgangsstellung nicht gelingt, wird sie erleichtert, statt sie zu erzwingen. Die Blätter stammen aus dem Athletic Solution Center und sind im Quellenverzeichnis nachgewiesen. Besprechen Sie die Ausgangsstellungen vor dem ersten Durchgang mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten.
Übungsblatt: 12-Minuten-Programm Stabilität Fuß und Sprunggelenk. Übungsblatt: Exzentrisches Training der Wadenmuskulatur. KAPITEL 17
Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.
