Ratgeber · Kapitel 13 von 37
Behandlung ohne Operation
Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.
Die konservative Behandlung verfolgt zwei Ziele: die auslösende Ursache zu bessern und die Beschwerden zu lindern. An erster Stelle stehen Bewegung, Muskelaufbau, ein günstiges Körpergewicht und die Physiotherapie. Gerade in den frühen Stadien ist das entscheidend. Gut belegt. Angeleitetes Bewegungstraining und, bei Übergewicht, die Gewichtsabnahme sind die am besten untersuchten Maßnahmen bei Arthrose. Medikamente und Spritzen
Medikamente behandeln bei der Arthrose den Schmerz und die Entzündung. An der Ursache ändern sie nichts. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt sie so kurz wie möglich und in der niedrigsten wirksamen Dosis, zuerst als Gel zum Auftragen, erst bei Bedarf als Tablette. Als Tablette sind entzündungshemmende Schmerzmittel nicht harmlos: Sie können Magen und Darm schädigen, Nieren und Leber belasten und das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse erhöhen. Wer Blutdrucksenker, Blutverdünner oder Kortison einnimmt, klärt die Einnahme vorher ärztlich ab. Ein Kortisonpräparat in das Gelenk kann einen starken Reizzustand kurzfristig beruhigen. Bei der Hyaluronsäure gehen die Leitlinien auseinander: Die deutsche Leitlinie spricht wegen widersprüchlicher Studienlage weder dafür noch dagegen eine Empfehlung aus, die britische rät davon ab. Eine allgemeine Empfehlung gibt es also nicht, und die Kosten tragen Sie in der Regel selbst. Eigenbluttherapien wie ACP oder PRP werden angeboten. Dabei werden Bestandteile Ihres Blutes aufbereitet und in das Gelenk gespritzt. Die deutsche Leitlinie lässt sie als nachrangige Möglichkeit zu, wenn andere Maßnahmen nicht infrage kommen oder nicht geholfen haben. Die Studien sind uneinheitlich, und die Herstellungsverfahren unterscheiden sich stark, weshalb Ergebnisse schwer vergleichbar sind.
Kann erwogen werden. Eigenblutverfahren wie ACP oder PRP, nachrangig und nur wenn anderes nicht infrage kommt. Selbstzahlerleistung. Einlagen, Bandagen und Training Einlagen und Schuhzurichtungen verlagern die Belastung aus dem geschädigten Bereich. Bandagen verbessern das Körpergefühl und beugen einer Überforderung von Muskeln und Sehnen vor. Trainingsorthesen für das Knie entlasten den geschädigten Bereich und nutzen die Bewegung gegen geringen Widerstand. Den Kern bildet die Physiotherapie mit Übungen, die Sie zu Hause fortführen. Nur die regelmäßige Anwendung versetzt ein gestörtes Gelenk wieder in die Lage, mit seinen Defiziten umzugehen. Die Spritze richtig einordnen
Eine Kortisonspritze kann ein entzündlich gereiztes Gelenk kurzfristig beruhigen, meist über einige Wochen, sie baut aber nichts wieder auf und sollte nicht ständig anrücken müssen. Sinnvoll ist sie, wenn ein Reizzustand das Training unmöglich macht: erst beruhigen, dann bewegen. Bei der Hyaluronsäure sage ich Ihnen ehrlich, was die Wissenschaft sagt: Manche Patienten berichten eine deutliche Besserung über Monate, andere spüren nichts, und die Studienlage ist uneinheitlich. Wenn Sie sie dennoch erwägen, sprechen Sie vorher über den unsicheren und meist kleinen Nutzen, über die Risiken jeder Gelenkinjektion, über Alternativen und über die Gesamtkosten. Die Kasse zahlt sie nicht.
Nutzen unklar. Hyaluronsäure: Die Leitlinien widersprechen sich, ein Nutzen ist nicht gesichert. Selbstzahlerleistung. Kann erwogen werden. Kortison in das Gelenk lindert kurzfristig, meist über einige Wochen. Für die dauerhafte Anwendung fehlt der Nachweis.
Aus der Sprechstunde: Die Läuferin, 62. Eine ehemalige Lehrerin kam mit der festen Erwartung, eine Spritzenkur würde ihr Knie wiederherstellen. Eine Bekannte hatte begeistert erzählt. Wir haben zuerst gerechnet: fünf Spritzen, mehrere hundert Euro, Wirkung ungewiss. Dann haben wir untersucht und fanden eine schwache Oberschenkelmuskulatur und ein leichtes Übergewicht. Mein Vorschlag: erst drei Monate Training und vier Kilo, dann reden wir über Spritzen. Nach drei Monaten kam sie wieder, ging zweimal pro Woche walken und hatte die Frage nach der Spritze vergessen. Nicht jede Geschichte läuft so. Aber diese Reihenfolge stimmt fast immer. Was in der Physiotherapie geschieht
Physiotherapie ist mehr als Massage. Die wichtigste Maßnahme ist und bleibt das angeleitete Bewegungstraining. Begleitend können überlastete Sehnenansätze und verspannte Muskeln mit den Händen, mit Wärme oder Kälte beruhigt werden. Für Stromanwendungen ist ein Nutzen bei Arthrose nicht belegt. Bei einem akut gereizten Knie wird die Belastung angepasst, nicht gänzlich ausgesetzt. Wer die Beweglichkeit erzwingen oder gleich schwere Gewichte bewegen will, verschlimmert die Lage. Erst wenn die Reizung abklingt, beginnt der Aufbau.
Dann wird der ganze Körper einbezogen, nicht nur das kranke Gelenk. Ein Knie hängt an der Hüfte, an der Wirbelsäule und am Fuß. Die Muskelkette aus Rumpf, Oberschenkel und Wade ist bei vielen Arthrosepatienten geschwächt, weil das Gelenk über Monate geschont wurde. Auch bei einem Tennisellenbogen lohnt oft ein Blick auf Nacken und Halswirbelsäule, weil sich Beschwerden von dort verstärken können.
Das Entscheidende geschieht danach zu Hause. Der Therapeut leitet Übungen an, Sie führen sie regelmäßig aus, wie ein Medikament nach Plan. Ein Rezept, das nur abgesessen wird, verpufft. Übungen, die zur Gewohnheit werden, verändern den Verlauf. Wichtig ist, dass das Training zu Ihren tatsächlichen Defiziten passt. Das setzt eine gründliche Untersuchung der Bewegungsabläufe voraus, wie sie in der physiotherapeutischen Praxis zum Handwerk gehört.
Bei starken Reizzuständen wird gelegentlich die Röntgenreizbestrahlung angeboten, bei der das Gelenk mehrfach einer niedrigen Strahlendosis ausgesetzt wird. Die Studienlage dazu ist begrenzt, und es handelt sich um eine Strahlenanwendung. Sie baut keinen Knorpel auf und repariert keine Mechanik. Wenn sie erwogen wird, gehören Nutzen, Strahlenbelastung und Alternativen vorher besprochen. KAPITEL 13
Dazu passt
Fingerarthrose und Arthrose im Daumensattelgelenk (Rhizarthrose)
Acht kleine Knochen und das Sattelgelenk des Daumens
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Was wir bei Verschleiß und Schäden anbieten, von der Spritze bis zum Kunstgelenk.
Ansehen →Sprechstunde
Termin in der Maybachstraße 50, Telefon 0711 896 550 0.
Ansehen →Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.
