Dr. med. Christian MauchArthrosezentrum · Maybach Klinik

Ratgeber · Kapitel 2 von 37

Einleitung

Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.

Achtzig von hundert Menschen über siebzig haben Verschleißerscheinungen an ihren Gelenken. Damit ist die Arthrose keine Randerscheinung, sondern die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt. Sie beginnt oft früher, als man denkt, und sie verläuft bei keinem Menschen genau wie beim anderen. Was den Verschleiß beschleunigt, ist bekannt: die Anlage in der Familie, Verletzungen aus jungen Jahren, eine einseitige Belastung im Beruf, riskante Sportarten, Übergewicht und Bewegungsmangel. Bei den meisten Menschen kommen mehrere dieser Gründe zusammen. Die gute Nachricht: Behandeln lässt sich Arthrose heute so gut wie nie.

Die schwierige Nachricht ist die Kehrseite davon. Weil so viel angeboten wird, vom Nahrungsergänzungsmittel über die Spritze bis zum Kunstgelenk, ist das Angebot unübersichtlich geworden. Manches davon hilft nachweislich, manches wirkt nur beim Anbieter.

Ein Gedanke zieht sich durch alle Kapitel. Vor jeder Behandlung wird geklärt, welche Faktoren Ihre Beschwerden verursachen oder verstärken: der Verschleiß selbst, eine Entzündung, eine Instabilität, eine Fehlstellung, fehlende Muskelkraft, manchmal auch Belastungen im Alltag. Erst daraus ergibt sich der Weg. Ein struktureller Befund allein bedeutet noch keine Operation. Entscheidend sind Ihre Beschwerden, Ihre Funktion, die Alternativen und die gemeinsame Abwägung. Diese Reihenfolge schützt Sie vor einer Operation, die Sie nicht brauchen.

Wie Sie das Buch nutzen, bleibt Ihnen überlassen. Die ersten Kapitel erklären, was Arthrose ist, wie sie festgestellt wird und was gegen sie hilft. Danach folgt für jedes Gelenk ein eigenes Kapitel, das Sie einzeln lesen können. Am Ende finden Sie ein Übungsprogramm, häufige Fragen, ein Glossar und die Quellen, auf die ich mich stütze.

Aus der Sprechstunde: Der Mann mit den drei Meinungen. Ein Ingenieur, 61 Jahre, kam mit einem dicken Ordner in die Sprechstunde. Drei Ärzte hatte er besucht, drei verschiedene Empfehlungen hatte er gehört. Der eine wollte spritzen, der zweite sofort operieren, der dritte riet, einfach abzuwarten. Sein Knie schmerzte seit zwei Jahren, vor allem beim Treppabgehen. Die Untersuchung und die Aufnahmen unter Belastung zeigten ein leichtes O-Bein und einen Verschleiß auf der Innenseite des Knies, aber keine Blockade und keinen Meniskusschaden, der einklemmte. Also keine mechanische Störung, die eine Operation verlangt hätte, sondern eine Überlastung. Er bekam ein Trainingsprogramm für die Beinmuskulatur, eine Einlage und klare Regeln für sein Radfahren. Nach vier Monaten ging die Treppe wieder, nicht schmerzfrei, aber ohne dass er stehen bleiben musste. Beim letzten Termin sagte er, an schlechten Tagen ärgere ihn das Knie weiterhin. Operiert wurde bisher nicht. Ob es dabei bleibt, weiß ich nicht.

Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.