Dr. med. Christian MauchArthrosezentrum · Maybach Klinik

Ratgeber · Kapitel 12 von 37

Gewicht und Ernährung

Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.

Dieses Kapitel ist das unbequemste im ganzen Buch, und ich schreibe es trotzdem. Bei Übergewicht kann schon eine moderate Gewichtsabnahme Schmerzen und Beweglichkeit deutlich verbessern, am besten belegt ist das für das Kniegelenk. Ob sie auch das Fortschreiten des Verschleißes bremst, ist weniger sicher belegt als die Wirkung auf die Beschwerden. Jedes Kilo weniger entlastet das Knie bei jedem Schritt um ein Mehrfaches, denn beim Gehen wirken auf das Gelenk Kräfte, die weit über dem Körpergewicht liegen.

Die Erfahrung aus der Sprechstunde: Schon fünf Kilo weniger spüren viele Patienten deutlich, bei zehn Kilo verändert sich oft das ganze Beschwerdebild. Damit wirkt sie stärker als manches, was als Spritze angeboten wird. Ich weiß, wie schwer Abnehmen ist, und ich sage das nicht als Vorwurf. Setzen Sie sich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein realistisches Ziel, und achten Sie darauf, dabei Muskelmasse zu erhalten. Dafür ist Bewegung wichtiger als eine strenge Diät.

Ehrlich muss ich einschränken: Am deutlichsten belegt ist dieser Nutzen für das Kniegelenk. Für die Hüfte ist die Studienlage dünner, dort gilt Übergewicht zwar als Risikofaktor, ein eindeutiger Beleg für die Wirkung des Abnehmens auf die bestehende Arthrose fehlt aber. Ich empfehle es trotzdem, denn es hilft der Beweglichkeit und dem Kreislauf, und es verbessert die Ausgangslage, wenn später doch operiert wird. Aber ich verspreche Ihnen für die Hüfte nicht dasselbe wie für das Knie.

Bei der Ernährung selbst ist die Lage nüchterner, als Zeitschriften sie darstellen. Eine spezielle Arthrosediät, die Knorpel aufbaut, gibt es nicht. Bewährt hat sich eine Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, gutem Öl und Fisch und wenig Zucker, Weißmehl und verarbeitetem Fleisch. Sie hilft beim Gewicht, und sie wirkt einer ständigen leichten Entzündung im Körper entgegen. Wer Alkohol trinkt, hält die Menge am besten gering. Er liefert Kalorien und stört den Schlaf, den ein schmerzender Körper braucht.

Günstig ist, was man die Mittelmeerküche nennt: viel Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn, gute Pflanzenöle, Nüsse, regelmäßig Fisch, wenig rotes und verarbeitetes Fleisch, wenig Zucker. Fetter Seefisch liefert Omega-3-Fettsäuren, denen eine milde entzündungsdämpfende Wirkung zugeschrieben wird. Wer Alkohol trinkt, hält die Menge gering. Und ein Wort zum Rauchen: Nikotin verschlechtert die Durchblutung aller Gewebe, verzögert jede Heilung und erhöht das Risiko bei jeder Operation. Für die Gelenke ist der Rauchstopp ein größerer Gewinn als jedes Nahrungsergänzungsmittel.

Von teuren Wundermitteln rate ich ab, gleich ob Pulver, Kapsel oder Extrakt. Was Knorpelaufbau verspricht, verspricht zu viel. Geben Sie das Geld lieber für gute Schuhe, ein Fahrrad oder ein Training aus, das wirkt nachweislich. Merke: Beim Knie wirkt Gewichtsabnahme stärker als manche Spritze. Sie braucht dafür Zeit, Begleitung und Geduld. KAPITEL 12

Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.