Ratgeber · Kapitel 16 von 37
Kunstgelenke
Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.
Mein erstes künstliches Kniegelenk habe ich 1993 eingesetzt. Heute sind es rund zweihundert im Jahr. Was sich in dieser Zeit verändert hat, ist weniger das Prinzip als die Sorgfalt bei Auswahl und Nachbehandlung. Bei der Hüftprothese wird die geschädigte Gelenkfläche der Pfanne durch eine Pfannenkomponente ersetzt. Der Hüftkopf wird entfernt und durch einen Prothesenkopf ersetzt, der auf einem im Oberschenkelknochen verankerten Schaft sitzt. Ob zementfrei oder zementiert verankert wird, richtet sich nach Alter und Knochenbeschaffenheit. Heute nutzt man abriebarme Gleitpaarungen wie Keramik oder hochvernetztes Polyethylen und, wo möglich, schonende Zugänge mit kleinen Schnitten. Nicht jeder neueste Trend ist der beste. Wichtiger als das modernste Modell ist ein Team, dem Sie vertrauen.
Knie Das künstliche Kniegelenk ist ein Oberflächenersatz und eine der zuverlässigsten Operationen der Orthopädie. Ist nur ein Gelenkanteil betroffen, kann bei geeigneten Patienten eine Schlittenprothese infrage kommen. Ob sie passt, hängt außerdem von den Bändern, der Beinachse und dem Zustand der übrigen Gelenkanteile ab. Ein Kunstgelenk hält viele Jahre. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen, um eine Lockerung früh zu erkennen. Raucher pausieren am besten mindestens vier Wochen vor dem Eingriff, das senkt das Risiko von Wundheilungsstörungen. Der Weg durch die Operation
Vor dem Eingriff sprechen wir alles durch: das Implantat, die Narkose, die Risiken und den Plan für danach. Die Operation selbst dauert etwa eine Stunde. Schon am ersten Tag stehen Sie mit Unterstützung auf, denn ein Kunstgelenk ist in der Regel früh belastbar. Wie viel Last erlaubt ist, gibt Ihr Operateur vor, denn das hängt von Knochenqualität und Verankerung ab. Es folgen etwa drei Wochen Rehabilitation, danach Wochen des Aufbaus zu Hause. Nach drei Monaten sind die meisten Alltagswege wieder selbstverständlich, nach einem Jahr ist das Ergebnis ausgereift. Radfahren, Schwimmen, Wandern und Golf sind mit einem Kunstgelenk ausdrücklich erwünscht. Sportarten mit Stürzen und harten Stößen besprechen wir im Einzelfall.
Danach folgen regelmäßige Kontrollen. In welchen Abständen, hängt vom Implantat, vom Befund und von Ihrem Risiko ab; Ihr Operateur legt sie fest. Wichtig ist, dass kontrolliert wird, denn eine Lockerung zeigt sich im Bild oft früher als im Schmerz. Wird sie früh erkannt, bleibt die Knochensubstanz erhalten für einen späteren Wechsel. Was schiefgehen kann
Ein künstliches Gelenk ist ein guter Eingriff, aber kein kleiner. Es gibt Wundheilungsstörungen, es gibt Infektionen, es gibt Thrombosen, und es gibt Gelenke, die nach der Operation steifer bleiben als erhofft. Etwa jeder zehnte Patient mit einem Kunstknie ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden, obwohl technisch alles richtig war. Diese Zahl gefällt mir nicht, aber sie gehört auf den Tisch, bevor Sie sich entscheiden. Ich empfehle den Gelenkersatz deshalb erst, wenn der Leidensdruck hoch und der konservative Weg ausgeschöpft ist. Wer zu früh operiert wird, tauscht erträgliche Beschwerden gegen ein Risiko ein. Nach der Operation
Ein Kunstgelenk ist kein Ersatzteil, das man einbaut und vergisst. Die ersten Wochen gehören der Rehabilitation: Gehschule, Muskelaufbau, Alltagstraining. Wie gut ein künstliches Gelenk am Ende funktioniert, entscheidet sich nicht allein im Operationssaal. Die Monate danach tragen erheblich zum Ergebnis bei. Wenn Sie die Nachbehandlung ernst nehmen, holen Sie aus Ihrem Gelenk deutlich mehr heraus. Schaft einer Hüftprothese. Freigestelltes Metallteil: ein leicht gebogener, nach unten schmal zulaufender Schaft, im oberen Drittel gerippt, oben ein kurzer Konus für den Prothesenkopf. Schlittenprothese für das Kniegelenk.
Zwei glänzende Metallkappen, von der Seite und von schräg vorn, jede sitzt auf einem weißen Kunststoffteil, das die Gleitfläche bildet. Ihre Fragen vor der Operation Vor einem Gelenkersatz dürfen und sollen Sie fragen. Zum Beispiel: Wie viele dieser Operationen führen Sie im Jahr durch? Welches Implantat empfehlen Sie mir, und warum dieses? Wie läuft die Narkose ab, und welche Möglichkeiten gibt es? Wie sieht mein Fahrplan nach der Operation aus, von der ersten Nacht bis zur Rehabilitation? Wann kann ich wieder Auto fahren, arbeiten, reisen? Ein erfahrenes Team beantwortet diese Fragen gern und konkret. Ausweichende Antworten sind ein Grund für eine zweite Meinung. KAPITEL 16
Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.
