Ratgeber · Kapitel 27 von 37
Zehn Irrtümer über Arthrose
Aus dem Patientenratgeber Arthrose und Gelenkschmerz von Dr. med. Christian Mauch, Fassung 2026.
Kaum eine Krankheit ist von so vielen Halbwahrheiten umgeben. Die zehn häufigsten begegnen mir fast täglich in der Sprechstunde. Irrtum 1: Arthrose ist eine Alterskrankheit, da kann man nichts machen Das Alter ist ein Risikofaktor, kein Schicksal. Auf Gewicht, Muskeln und Belastung haben Sie in jedem Lebensjahr Einfluss, und genau diese drei bestimmen, wie es Ihrem Gelenk geht. Irrtum 2: Wenn es weh tut, muss ich mich schonen Kurzfristig ja, dauerhaft nein. Wochenlange Schonung schwächt die Muskeln und lässt den Knorpel hungern. Die richtige Antwort auf Arthroseschmerz ist die richtige Bewegung, nicht die Ruhe. Irrtum 3: Knirschen im Gelenk bedeutet schwere Arthrose
Geräusche ohne Schmerz und Schwellung sind meist harmlos. Umgekehrt kann ein völlig stilles Gelenk stark verschlissen sein. Das Ohr ist kein Diagnosegerät. Irrtum 4: Ein schlechtes Röntgenbild heißt, dass operiert werden muss Operiert wird der Mensch, nicht das Bild. Viele Menschen mit deutlichem Verschleiß im Röntgen leben beschwerdearm. Erst wenn Leidensdruck und Befund zusammenkommen, stellt sich die Frage nach dem Eingriff. Irrtum 5: Eine Spritze kann den Knorpel wieder aufbauen Kein heute verfügbares Mittel lässt verlorenen Knorpel nachwachsen. Spritzen können Entzündung beruhigen und Beschwerden lindern. Wenn Ihnen jemand Knorpelaufbau aus der Ampulle verspricht, verspricht er zu viel. Irrtum 6: Sport ruiniert die Gelenke
Der falsche Sport in der falschen Dosis kann schaden. Der richtige Sport ist die wirksamste Behandlung, die wir kennen. Entscheidend sind Auswahl, Vorbereitung und Maß. Irrtum 7: Wetterfühligkeit ist Einbildung Viele Arthrosepatienten spüren Wetterwechsel tatsächlich, vermutlich über Druck- und Temperaturfühler in Kapsel und Gewebe. Das ist lästig, aber kein Zeichen einer Verschlechterung. Das Gelenk nimmt durch Wetter keinen Schaden. Irrtum 8: Ein Kunstgelenk bekommt man erst, wenn gar nichts mehr geht Wer zu lange wartet, verliert Muskeln, Kondition und Lebensfreude, und startet geschwächt in die Operation. Der richtige Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Behandlung ohne Operation ausgeschöpft ist und der Schmerz das Leben führt, nicht Sie.
Irrtum 9: Nach einem Kunstgelenk ist Sport verboten Das Gegenteil ist richtig. Radfahren, Schwimmen, Wandern, Golf und Skilanglauf sind mit einem Kunstgelenk erwünscht. Besprochen werden müssen nur Sportarten mit Stürzen und harten Stößen. Irrtum 10: Gegen die Veranlagung kann man nichts tun Die Veranlagung bestimmt, wie anfällig ein Gelenk ist. Wie es ihm ergeht, bestimmen Gewicht, Muskulatur und Lebensweise. Gerade wer eine Arthrosefamilie hat, holt aus der Vorbeugung am meisten heraus.
Verfasst und fachlich geprüft von Dr. med. Christian Mauch, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Arthrosezentrums, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Chirotherapie. Arthrosezentrum an der Maybach Klinik, Maybachstraße 50, 70469 Stuttgart, Telefon 0711 896 550 0. Fachlich geprüft am 24.08.2026, zuletzt geändert am 22.09.2026. Die Seite ersetzt keine Untersuchung.
